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Diplomarbeit in China

Die Mehrzahl der Unternehmen bevorzugt Auslandserfahrungen in Form von Unternehmenspraktika. Anja Schweimer hat sich diese Empfehlung zu Herzen genommen und ist für ihre Abschlussarbeit nach China gegangen – schließlich hat ein Auslandspraktikum viele Vorteile für den Berufseinstieg und die Bewerbung. Was sie bei der Planung dieses Unterfanges und seiner Umsetzung in die Realität erlebt hat, erzählt Frau Schweimer im folgenden Erfahrungsbericht. Durchaus kritisch, denn trotz aller Vorteile für die berufliche Zukunft, gibt es immer auch eine Kehrseite der Medaille.

Auslandssemester in China

Zur Person

Name: Anja Schweimer
Universität: Hochschule für Angewandte Wissenschaften München
Studiengang: Wirtschaftsingenieurwesen
Schwerpunkte: Internationaler Vertrieb, Innovationsmanagement
Auslandsaufenthalt: Diplomarbeit in China, April - Sep. 2010
Unternehmen: Vossloh Fastening Systems (China) Co. Ltd.
Thema: »Conceptual design and implementation of Customer Relationship Management to enhance efficiency and transparency in sales, order processing and after sales to increase customer satisfaction in China«

Die Beweggründe

Seit Oktober 2006 studierte ich Wirtschaftsingenieurwesen in München, und leider ergab es sich aus verschiedenen Gründen nie, dass ich ein Auslandssemester einlegen konnte. Nun stand ich kurz vor meinen letzten Prüfungen und der unausweichlichen Entscheidung für ein Diplomarbeitsthema. Wo und bei welchem Unternehmen ich sie verfassen würde war zunächst nebensächlich, solange ich ins Ausland konnte! Darüber hinaus ergab sich nach einigen Gesprächen mit Kommilitonen die Erkenntnis, dass eine Diplomarbeit auf Englisch sehr viele Vorteile mit sich bringt, sei es nun bei der oftmals nur englischsprachigen Literatur oder Vorteilen bei späteren Bewerbungen.

Wer suchet, der findet

Nachdem die Entscheidung für mich persönlich sehr schnell gefallen war, ging es an die Suche nach einer passenden Arbeit – und das stellte sich als schwieriger als vermutet heraus! Zum einen sind selbst bei großen Unternehmen, deren Hauptsitz in Deutschland liegt, Bewerbungen direkt an die Auslandsfiliale zu richten, und zum anderen kennen die meisten Standorte »Diplomarbeiten« nicht. Auch der Versuch einer Erklärung über Bachelor- oder Masterthesis scheiterte, da vielen HR-Abteilungen im Ausland der Sinn einer solchen in ihrem Unternehmen nicht klar ist. Als ich schon beinahe verzweifelte, hatte ich Glück und stand zufällig in einem richtigen Verteiler der Hochschule. Über diesen suchte ein ehemaliger Student (zu der Zeit CEO bei einer Tochtergesellschaft der Vossloh AG) nach »spontanen Praktikanten in China«. Ich fragte sofort an, ob auch eine Diplomarbeit möglich sei und nach einigen Mails und einem Skype-Interview waren wir uns einig: Ich würde bei Vossloh Fastening Systems (China) Co. Ltd. in Kunshan/China meine Diplomarbeit zum Thema Customer Relationship Management verfassen!

Checkliste für die Vorbereitung

Manche Arbeitgeber zahlen Flug, Visa, Impfungen, etc., andere nicht. Bei Vossloh muss der Praktikant/Diplomand all diese Kosten selbst tragen. Ein Flug München – Shanghai und zurück kostete mich mit Emirates im Frühling (Im Sommer ist es teurer!) ca. 480,- €. Der Preis für das Visum hängt von der Anzahl der Entries (= Einreisen nach Mainland China) ab. Wenn es einem ermöglicht wird zu reisen, benötigt man z.B. um von Hong Kong wieder zurück nach China zu können einen Entry. Sowohl der Erwerb von weiteren Entries als auch die Verlängerung des Visums kann vor Ort erfolgen. An Impfungen sollten zumindest Hepatitis A und B durchgeführt werden, je nachdem wo es hingeht auch Dengue-Fieber und Tollwut. Manche Krankenkassen (z.B. TK) zahlen diese Impfungen, ein Wechsel lohnt sich deshalb oft!

Auslandspraktikanten und –studenten können Auslands-BaföG beantragen, Auslandsdiplomanden nicht. Wichtig ist, sich frühzeitig entweder für das Auslands-BaföG (6 Monate vorher) zu bewerben bzw. den Auslandsaufenthalt mit dem Inlandsamt für BAföG abzuklären! Gleiches gilt für Bachelor- bzw. Masterstudenten.

Je nach Land und Unternehmen variieren die Löhne für Studenten stark. Melbourne in Australien ist bspw. sehr teuer, weshalb auch der Lohn entsprechend hoch sein sollte. China dagegen ist vergleichsweise günstig. Jedoch variieren – je nach Region – auch hier die Löhne stark. VFSC zahlt den Studenten 3000,- RMB (ca. 300,- €) und die WG. Mit 3000,- RMB lässt es sich in China gut über die Runden kommen, solange keine größeren Unternehmungen geplant sind. Wer reisen, ausgehen und shoppen möchte, braucht definitiv mehr als den Lohn.

Bei der Wahl des Abschlussarbeitsthemas sollte über eine Thematik geschrieben werden, zu der ausreichend Online-Literatur verfügbar ist.

Ich empfehle jedem vorab einen Chinesischkurs zu belegen. Zwar habe ich im Alltag vieles gelernt, ein Kurs hätte jedoch den Schock in den ersten Tagen gemindert.

Nachdem, trotz allerlei Schwierigkeiten, die Vorbereitungen getroffen waren, flog ich am 2. April 2010 nach Shanghai. Ohne chinesische Sprachkenntnisse zu besitzen, wurde ich am Flughafen von einem Firmenfahrer, der kein Englisch konnte, abgeholt und erreichte nach einer Stunde Fahrt das »2-Mio.-Einwohner-Dorf« Kunshan im Nordwesten Shanghais. Nachdem ich die »Große Firewall« mit Hilfe von VPN überwunden, die Heizung (6°C und keine Isolierung!) angeschaltet und allerlei kulturelle Hindernisse überwunden hatte, konnte das Abenteuer also endlich beginnen!

Arbeitsalltag: Deutsch – Chinesisch / Chinesisch - Deutsch

Der Arbeitsalltag bei Vossloh war mehr als spannend. Obwohl viele der chinesischen Mitarbeiter im Westen studiert hatten, war die Zusammenarbeit häufig sehr kompliziert. Sei es aufgrund der Sprachbarrieren (Deutsch, Chinesisch, Englisch) oder wegen der unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich Kundenbetreuung und -zufriedenheit. Auch die chinesische Arbeitsmoral ist eine völlig andere, weshalb E-Mails z.B. gerne auch 5x ignoriert werden und, im Falle der Abwesenheit des Chefs, der Tag mit Kaffeekränzchen bestritten wird. Besonders amüsante Vorfälle bescherte mir das »Gottvertrauen« der Chinesen, das hin und wieder zu lustigen »incidents« führte, sei es nun ein unabsichtlich sprühgefärbtes Auto oder das Abrutschen von 40t Stahl in den angrenzenden Fluss. Viele der Arbeiter dachten einfach nicht den nötigen Schritt weiter, der solche Missgeschicke hätte verhindern können. Zudem waren die Arbeiter sehr kreativ was illegale Ruhepausen während der Arbeitszeit anging, z.B. gab es überall auf dem Gelände versteckt angelegte Schlafnester. Auch wenn mich die Kollegen, die Arbeit und das Unternehmen zeitweise an den Rand der Verzweiflung trieben, nahm meine Diplomarbeit zum Schluss ein sehr gutes Ende!

Lebensalltag: Eine Blondine in China

Der Lebensalltag gestaltete sich ähnlich skurril wie der berufliche. In Kunshan gibt es kaum Westler, weshalb ich mit blonden Haaren mehr als auffiel. Ich verursachte Verkehrsunfälle, und Kinder zerrten fingerdeutend und laut »Schau, Ausländer!« rufend an ihren Müttern. Im Supermarkt gab es nichts Bekanntes, und wenn, dann nicht das, was ich benötigte bzw. war es für mich nicht lesbar in chinesischen Schriftzeichen. »Ist aus.« war stattdessen die übliche Aussage.

Nach kurzer Zeit entschloss ich mich deshalb zu einem Sprachkurs. Ich wollte zumindest in Grundzügen kommunizieren können. Mit dem erworbenen Wissen wagte ich mich dann auch auf die Schneider- und Fakemärkte Shanghais und handelte auf Chinesisch. Wie sich zeigte, bescherten mir die Sprachkenntnisse gleich bessere Preise. Ein weiterer Bestandteil meines Alltags war das Modellstehen für Chinesen beim Fotografieren. Ob mit Einzelpersonen oder mit Gruppen, egal ob vor Sehenswürdigkeiten oder der lokalen Toilette, ein Foto mit mir war sehr begehrt. Die Liste an Skurrilitäten, Seltsamkeiten und Verrücktheiten ist endlos, und so gern ich sie auch schildern würde, sie würden den Rahmen dieses Berichts sprengen. Insgesamt kann ich aber sagen, sowohl Berufs- als auch Lebensalltag haben mir gezeigt, dass ich mich in dem – für mich – wohl lustigsten Land der Erde befunden habe – aber ich habe mich darauf eingelassen!

Gut war

› die Chinesen (weil lustig)
› das Diplomarbeitsthema
› das Reisen (Hong Kong, Philippinen, Beijing, Nanjing, Tibet, Suzhou, Macao, ...)
› neue Freunde
› überlebenstraining.

Suboptimal war

› die Chinesen (weil anstrengend)
› Kunshan (sehr eingeschränkte Unterhaltungsmöglichkeiten)
› der Unternehmensführer- und damit Betreuerwechsel im Unternehmen

Abschließend

Nach dem sehr spannenden halben Jahr in China, weiß ich Deutschland wieder mehr zu schätzen. Zudem kann ich jetzt sagen, was ich mit meinem Berufsleben anstellen möchte und – vor allem – was nicht! Ich sehe den Auslandsaufenthalt in China als das, was er war: einen erfahrungsreichen, zeitlich begrenzten Aufenthalt. Asiatische Länder bieten nicht nur eine völlig neue Sprache, sondern eine komplett andere Kultur, die man im westlichen Ausland so nie erfahren hätte.

Fazit

Ich kann eine Abschlussarbeit im Ausland sehr empfehlen, jedoch muss sich jeder darauf einstellen, dass es keinesfalls so läuft, wie man es sich vorgestellt hat, und dass die Hürden und Schwierigkeiten zahlreicher als in Deutschland sind. Zusammenfassend hat mir meine Diplomarbeit in China neben einer sehr guten Bewertung, Kenntnisse in einer weiteren Sprache (die in China vor lauter Schreck, dass eine Blondine Chinesisch spricht, jedoch niemand verstand) und vielen neuen Freunden vor allem eins gebracht: Eine Menge Lebenserfahrung!

Auslandserfahrung - China

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